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#347 – Beitrag der «Alten» zur KI-Entwicklung

Algorithmen als Chance für die Welt von morgen
Die Erfahrung von uns «Alten» muss sich in der Qualität der verwendeten Daten spiegeln. Wir dürfen deshalb die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz KI nicht dem Zufall überlassen, sonst kommt uns der Überblick über das zu Digitalisierende abhanden. Dass Algorithmen über Menschen und deren Zukunft entscheiden, scheint unausweichlich zu sein – wir alle sind längst den Urteilen von KI ausgesetzt: Immer mehr Firmen lassen Bewerbungen automatisiert bewerten, und immer mehr Menschen bekommen Bescheide oder Auskünfte, die durch Maschinen vorbereitet wurden. Doch nicht alle diese algorithmisch getroffenen Entscheidungen sind korrekt, es gibt immer wieder Fälle, in denen die KI diskriminiert, Unschuldige eines Verbrechens beschuldigt oder gar Leben gefährdet, schreibt Katharina Zweig in ihrem Buch: «Die KI war’s! Von absurd bis tödlich: Die Tücken der künstlichen Intelligenz». Prof. Dr. Katharina Anna Zweig (47), leitende Informatikprofessorin an der Technischen Universität Kaiserslautern, Deutschland, ist eine digitale Vordenkerin und engagiert sich dafür, dass Algorithmen zur Chance für die Welt von morgen werden und nicht zur Gefahr. Insofern sollten wir anstelle von Intelligenz, über die Entstehung des global zugänglichen Wissens sprechen.

Menschen entscheiden (noch) über die Qualität von Daten
Am Ende sind es vorläufig noch wir Menschen, welche über die «Daten» bestimmen. Im Ergebnis zeigen sich dabei auch unsere Vorurteile gegenüber Andersdenkenden, dem anderen Geschlecht oder anderen Religionen. Deshalb sind der Wertekanon und die Erfahrung von uns «Alten», die wir im Team mit den «jungen Wilden» teilen, so wichtig. Um mitdiskutieren zu können, müssen wir jedoch die «Mechanismen» dieser Technologie verstehen. Dr. Urs Wiederkehr (62), Dipl. Bau-Ing. ETH/SIA, Leiter Fachbereich «Digitale Prozesse» auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA, publizierte dazu einen Beitrag im «buildup network» vom 28. November 2023. Im Teil 3 seiner Artikelserie zu Konzepten und gemeinsamem Systemdenkens definiert er unter dem Titel «Das digitale Fundament für Führungskräfte – Parameter und Komponenten als Umsetzungsbeschleuniger» die einzelnen Begriffe zum Verständnis. Er illustriert auch parallelen zur Geschichte von «Normierungen» im Bauwesen.

KI – robot design: Copyright © 2023 CGTN

Digitalisierung muss nachhaltig und flexibel sein
Die Digitalisierung entspricht aus seiner Sicht der «Vorratshaltung von parametrisierten Daten-Bearbeitungs und Nutzungsmöglichkeiten». Die Digitalisierung ist weder eine kurzfristige noch eine einmalige Sache. «Vorratshaltung» bezieht sich auf das immer wieder zum gewünschten Zeitpunkt Durchführen-Können der Funktion, stets wenn der an den Computer delegierte Prozess nachgefragt wird. Wir kennen dies beispielsweise aus Textverarbeitungsprogrammen, wo wir «Textblöcke» aus dem «Vorrat» in immer neuen Kombinationen wiederverwenden. «Daten» als strukturierte Beschreibung der realen, analogen Welt sind gemäss Wiederkehr der Grundbestandteil unserer digitalen Welt. Mit «parametrisiert» wird die Tatsache umschrieben, dass eine gute digitale Lösung ohne Umprogrammierung auf verschiedene Situationen reagieren kann. Massgeblich sind lediglich Veränderungen an den Eingabewerten, also an den Parametern.

Iterative Entwicklung von Programmcode
Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten wird bei einer digitalen Lösung immer in die Zukunft investiert. Der Programmcode altert nicht, wird aber immer weiterentwickelt und verfeinert. Hier liegt ein riesiges Potenzial für uns «Alte», unsere Erfahrung und Weisheit einzubringen. Code kann wegen seiner Materienlosigkeit mittels «Copy-Paste» auf neue Situationen übertragen und als Ausgangspunkt für weitere Anwendungen angepasst werden. Im Zeitalter von KI muss es möglich sein, solche «Knochenjobs» weitestgehend zu automatisieren, der Computer soll uns ja helfen und nicht unser Leben weiter komplizieren. Zur Überprüfung der Resultate sind wir jedoch auf Erfahrung angewiesen. Es lohnt sich umso mehr, beim Projektstart zukunftsorientiert zu denken. So ergibt sich ein unmittelbarer Aufwand bei der Erstellung einer Anwendung. Die Erträge sind jedoch wiederkehrend und können bei jeder Prozessanwendung in Anspruch genommen werden. Deshalb sind in frühen Phasen von Digitalisierungsprojekten Überlegungen für einen effizienten Betrieb unausweichlich. Grenzkosten, also die Kosten, welche beim Auslösen eines zusätzlichen Prozesses anfallen sollen möglichst gegen Null tendieren. Zu diesem Zweck macht es Sinn, zusammengehörige Funktionen in Software-Komponenten zusammenzunehmen (Blöcke). Aktuelle Daten, die stets in Parameterform als Attribut-Wertepaare vorliegen, ermöglichen den Transfer in den passenden Zeitpunkt und können eine genau umschriebene Aufgabe übernehmen. Und auch diese Komponenten können wiederum auf anderen aufbauen.

Der «Kleber», der unsere digitale Welt zusammenhält
Auf Software-Komponenten baut die digitale Welt auf. In den APIs, Application Programme Interface, eine Form von Komponenten, sieht Wiederkehr den «Kleber», der unsere digitale Welt zusammenhält. Zum Komponenten-Aufbau gibt es heute anerkannte Regeln, welche die Kompatibilität gewährleisten. Kombinierbare Teile, genaue Definitionen und der Wille zur Zusammenarbeit sind massgebliche Erfolgsfaktoren, auch bei den Arbeiten an der digitalen Welt. Für uns Nutzer ist klar, viel wäre heute schon möglich, aber unser «Gärtchendenken» wird solche Kooperationen noch lange Zeit verunmöglichen (Stichwort elektronisches Patientendossier). Neben dem Willen fehlt es (scheinbar) auch an der Zeit, Grundlagen sauber digital zu erarbeiten. Anstelle der erwähnten Kooperationen finden sich unzählige Applikationen als Insellösungen, welche lediglich auf einen Teilaspekt fokussieren, das Verständnis für die Vorteile einer weiterreichenden Vernetzung fehlt. Auch da können wir «Alten» unsere Erfahrung nutzbar einbringen. Wünschbar ist auch der vermehrte Einsatz von «Open Source»-Quellen zur Programmierung. Als Open Source (aus englisch open source, wörtlich offene Quelle) wird Software bezeichnet, deren Quelltext öffentlich ist und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann. Open-Source-Software kann unter Einhaltung der Lizenzbedingungen meistens kostenfrei genutzt werden.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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