Co-Working: Wenn Erfahrung auf Elan trifft
Auf meinen Prompt an CLAUDE, die künstliche Intelligenz KI von Anthropic: «Kurzer Text zum Thema Co-Working, «Alte» und Junge im Team», erhielt ich innert Sekunden diesen, durchaus brauchbaren Text, als Einstieg in die Diskussion über die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine:
Ein Team, in dem Junge und «Alte» zusammenarbeiten, ist wie ein gut abgestimmtes Orchester: Unterschiedliche Instrumente, aber ein gemeinsamer Klang. «Alte» Kolleginnen und Kollegen bringen Erfahrung, Ruhe und ein Gespür für das grosse Ganze mit – sie haben schon viele Projekte scheitern und gelingen sehen und wissen, welche Stolpersteine sich vermeiden lassen. Jüngere Teammitglieder wiederum bringen frische Perspektiven, digitale Selbstverständlichkeit und den Mut, bestehende Abläufe zu hinterfragen. Im Co-Working-Alltag zeigt sich der Mehrwert oft in kleinen Momenten: Die Jüngeren zeigen uns «Alten» einen neuen Tool-Trick, wir «Alten» erklären, warum eine bestimmte Lösung vor Jahren schon einmal versucht wurde – und woran sie damals scheiterte. Aus diesem Austausch entsteht kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander, das beide Seiten weiterbringt. Damit das gelingt, braucht es gegenseitigen Respekt statt Schubladen- oder Silodenken. Wer Altersunterschiede nicht als Hindernis, sondern als Ressource begreift, schafft Teams, die stabiler, kreativer und lernfähiger sind als homogene Gruppen.
Kompetenzverlust im grossen Stil
Was passiert, wenn ganze Teams, Geschäftsbereiche oder Organisationen einen Kompetenzverlust erleiden? Die organisatorischen Symptome, die Führungskräfte mit einem solchen Kompetenzverlust in Verbindung bringen, sind bereits sichtbar und verstärken sich gegenseitig. Der Abwärtstrend beginnt mit einer übermässigen Abhängigkeit von KI-Ergebnissen ohne kritische Überprüfung – ein Faktor, den fast 90% der befragten Führungskräfte nannten. Im Boston Consulting Group BCG-Beitrag vom 17. Juni 2026 beschreiben Sagar Goel, Managing Director & Partner Singapore; David Martin, Managing Director & Senior Partner, Dallas und Charikleia Kaffe, Research Director Athen, wie unkritische Akzeptanz der Resultate künstlicher Intelligenz KI nicht nur ein Qualitätsproblem ist, sondern auch der Weg zu einem tieferen Zerfall des Urteilsvermögens. Der Rückgang von Mentoring, Coaching und Wissensaustausch, auch mit uns «Alten», ist besonders besorgniserregend für das langfristige Lernen in Organisationen. Mitarbeitende umgehen den Wissensaustausch mittlerweile komplett und wenden sich direkt an KI-gestützte Sprachmodelle. Doch wenn alle dieselben KI-Tools verwenden, die mit denselben Daten trainiert wurden, gleichen sich Ergebnisse und Denkweisen an. Als Folge erlischt der Anreiz, Kolleg:innen zu konsultieren, ihre Sichtweise zu hinterfragen oder darauf aufzubauen. Damit einher geht ein Umfeld abnehmender Eigenverantwortung und Rechenschaftspflicht: «Die KI hat es vorgeschlagen». Hinter diesen Trends verbirgt sich ein tieferliegendes strukturelles Problem: Die langsamere Entwicklung junger Talente, wenn KI die analytischen Routinearbeiten übernimmt – wie Recherche, Texterstellung, Fehlersuche und Problemanalyse –, die jüngere Mitarbeitende traditionell selbst erledigen und von denen sie lernen, verpassen sie die prägenden Wiederholungen, die ihr Urteilsvermögen stärken. In diesem sich selbst verstärkenden Kreislauf ist der Kompetenzverlusts bereits sichtbar.
Empathie, Urteilsvermögen und Führungsqualitäten sind gefragt
Unter dem Titel «Wie künstliche Intelligenz den Schweizer Arbeitsmarkt prägt» verweist Matthew Allen (50+), Journalist bei SwissInfo, in seinem Beitrag vom 22. Juli 2026 auf Expertenmeinungen, die davon ausgehen, dass mehrere Faktoren die langfristigen Auswirkungen von KI auf den Schweizer Arbeitsmarkt bestimmen werden, darunter Weiterbildung, Bildung und Regulierung. «Die grösste Herausforderung für den Schweizer Arbeitsmarkt ist nicht die Technologie selbst. Sie liegt vielmehr in der Geschwindigkeit, mit der Unternehmen, das Bildungssystem und die Arbeitskräfte neue Kompetenzen entwickeln», so der Schweizerische Arbeitnehmerverband. «Ob KI zu mehr Wohlstand oder mehr Unsicherheit führt, entscheiden nicht die Algorithmen, sondern die Unternehmen, Politiker und Pädagogen.» Während Firmen über Entlassungen wegen KI berichten, hat der Autohersteller Ford 300 Qualitätsinspektoren wieder eingestellt, nachdem die KI-Kameras nicht mit den menschlichen Fähigkeiten zur Erkennung von Defekten mithalten konnten. Im Bericht der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers PwC stellt diese fest, dass KI einige Unternehmen dazu veranlasst, auch anderen Werten bei Mitarbeitenden Priorität einzuräumen. «Arbeitgebende legen zunehmend Wert auf Fähigkeiten wie kritisches Denken, KI-Kompetenz, Fachwissen, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu überwachen und zu überprüfen, anstatt lediglich repetitive Aufgaben auszuführen.» Eine Chance für uns «Alte» besteht darin, dass neben dem Erlernen des Umgangs mit KI auch menschliche Fähigkeiten wie Empathie, Urteilsvermögen und Führungsqualitäten an Wert gewinnen, wenn Algorithmen monotone Aufgaben übernehmen, die weniger Kreativität erfordern.
Blind in die KI-Zukunft segeln
Odysseus-Alarm: Lest keine Prognosen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz KI! Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der KI liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung, schreibt Beat Balzli (60), als Kommentar in der NZZ am Sonntag, 19. Juli 2026. Der Aufbruch in ein neues Zeitalter hat längst für alle begonnen. Vertrieben aus der gewohnten Welt, hin- und hergerissen zwischen Furcht und Sirenengesängen der eierlegenden Wollmilch-KI, von unkontrollierbaren Mächten im Menschsein auf die Probe gestellt. Wir alle sind Odysseus – mit dem Unterschied, dass keiner weiss, wo die irre Reise endet. Das wird sich angesichts des Tempos der technologischen Entwicklung auch nicht so schnell ändern. Allein in dieser Woche schockt ein chinesisches KI-Modell namens Kimi K3 die Welt und stellt den Vorsprung der USA fundamental infrage. Die kollektive Desorientierung führt zu einem Wildwuchs von Prognosen, Warnungen und Meinungen mit bescheidener Haltbarkeit und noch weniger Qualität. Auf der Kommandobrücke herrscht Phrasenalarm. Unter dem Titel «We Must Act Now» publizierten 200 Ökonomen aus der Big-Tech- und Nobelpreisträger-Liga einen offenen Brief. Die Textwolke aus Konjunktiven und Allgemeinplätzen transportiert die wenig überraschende Botschaft, dass die KI radikal wirkmächtiger werden könnte und man sich mit den Folgen sowie den möglichen Regulierungen beschäftigen müsse. Je mehr Nebulöses kursiert, umso abgestumpfter wird der Mensch, umso mehr verschliesst er sich den gegenwärtigen Entwicklungen. Und genau hier besteht auch für die Schweiz die grösste Gefahr: Blind in die Zukunft zu segeln. So wendet bis jetzt nur jedes achte Schweizer KMU in seiner Produktion KI an.
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