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#453 – Intuition der «Alten»: Furcht, Warnen

Computer werden intelligenter sein als wir
Ilya Sutskever (39), Israelisch-Canadischer Computer Wissenschafter und Mitbegründer von OpenAI, behauptet in seiner Präsentation auf TEDAI 2023 • October 2023 (12:24), dass Menschen anfangen werden, aus Eigeninteresse in beispielloser Weise zusammenzuarbeiten. Unter dem Titel «The exciting, perilous journey toward Artificial General Intelligence AGI», {die aufregende, gefahrvolle Reise hin zur künstlichen allgemeinen Intelligenz AGI) erläutert er, wie der Tag kommen wird, an dem die digitalen Gehirne in unseren Computern so gut oder sogar besser sein werden als unsere eigenen biologischen Hirne. AGI wird dramatische und unglaubliche Auswirkungen auf jeden einzelnen Bereich menschlicher Aktivität haben. Die Technologie wird sich von den uns bekannten Technologien unterscheiden, indem sie sich selbst verbessern kann. Die technologische Entwicklung ist vergleichbar mit der industriellen Revolution, mit ihrem rasanten Anstieg und schnellen Wachstum, welche damals unser Leben auf verschiedenste Art veränderte. Mit AGI könnte etwas Ähnliches erneut geschehen, jedoch innert kürzerer Zeit.

Die KI nutzt globale «Schwarmintelligenz»
Der Britisch-kanadische Informatiker und Kognitionspsychologe Geoffrey Hinton (78) erklärt auf Reddit, wie LLMs nicht mehr nur das nächste Wort voraussagen – neue Modelle lernen durch logisches Denken und erkennen Widersprüche in ihrer eigenen Logik. Diese grenzenlose Selbstverbesserung wird sie letztendlich «viel intelligenter machen als uns». Agenten können Wissen in einem viel grösseren Umfang teilen als Menschen. 10’000 Agenten können verschiedene Themen studieren, ihre Lernergebnisse sofort synchronisieren und sich gemeinsam verbessern. «Stellen Sie sich vor, 10’000 Studenten belegen jeweils einen anderen Kurs, und wenn sie fertig sind, kennt jeder Student alle Kurse» meint Hinton.


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«When we forget things, where do they go?»
Wenn wir Dinge vergessen, wohin verschwinden sie dann?
Catherine Airey (32), aus ihrem Buch «Confessions»

Was ist Intelligenz?
Je klüger unsere Maschinen werden, desto argloser handeln wir. Zeit, über die menschliche Intelligenz nachzudenken. Und über die menschliche Dummheit. Unter dem Titel «Nuzte das Poetnzial deiner Itenlligenz!» stellt Peter Ackermann (54) in der NZZ vom 26. Dezember 2025 die Frage: Werden wir tatsächlich seit zwanzig Jahren dümmer, wie Untersuchungen nahelegen? Macht uns die künstliche Intelligenz KI dumm? Was ist Dummheit eigentlich? Und was menschliche Intelligenz? Schwergewichtig befasst sich der Artikel mit der Analyse des IQ-Test, dem Intelligenzquotienten. Gewiss ist: Der Mensch verfügt über Intelligenz. Doch er ist auch bereit, sie preiszugeben. Etwa indem er Denkarbeit auslagert. Wer mithilfe künstlicher Intelligenz einen Text formulieren lässt, spart zwar Zeit, lässt aber seine geistigen Fähigkeiten verkümmern, folgert Ackermann. Er verweist auf die Aussage des Psychologen Gerd Gigerenzer (78). Dieser findet, dass die Gefahr dabei weniger von der Maschine ausgeht, als von zwei menschlichen Quellen: «von denen, die KI kontrollieren, und von uns, die wir sie nutzen».

Die Warner
Warner gibt es viele, so auch der amerikanische Intelligenzforscher Robert Sternberg der behauptet: wer Denkarbeit auslagert, gibt kritisches Denken auf und nennt es daher «mutwillige Selbstverdummung». Peter Ackermann erwähnt den Wiener Intelligenzforscher Jakob Pietschnig (33) und dessen Unterscheidung zwischen «Dummheit erster und Dummheit zweiter Ordnung». «Diffuses Misstrauen verdrängt die rationale Abwägung», schrieb die forensische Psychiaterin Heidi Kastner (63), in ihrem Buch mit dem Titel «Dummheit». Gerade die Fähigkeit, Fakten zu kennen und dennoch falsch zu urteilen, macht die Dummheit zweiter Ordnung so gefährlich. Paradoxerweise verursachen insbesondere kluge Köpfe oft gravierende Fehler mit weitreichenden Folgen. Eine «Torheit der Intelligenten» nennt das Robert Sternberg. Wer scharf denkt, beherrscht zumeist die Kunst, Widersprüche auszublenden und nur das zu sehen, was der eigenen Weltsicht entspricht, ein Leben in der «Bubble».

Mehrdeutigkeit in der Kunst: Der belgische Künstler René Magritte (1898-1967), Le Retour 1940. Surrealismus – Realität und Fantasie.

Intuition kommt mit Erfahrung
Gerd Gigerenzer verweist auf den Gegensatz zur maschinellen Intelligenz: «Menschliche Intelligenz zeigt sich im klugen Entscheiden bei Unsicherheit.» Für ihn ist Intelligenz eine Werkzeugkiste voller einfacher Faustregeln, die helfen, mit wenig Wissen und unter Zeitdruck gute Entscheidungen zu treffen. In einer unsicheren Welt schlagen einfache Regeln oft komplexe Modelle, die sich zu genau an vergangene Daten anpassen und scheitern, wenn die Zukunft anders aussieht. Was wir Bauchgefühl nennen, beschreibt Gigerenzer als «Intelligenz des Unbewussten». «Wenn man sie unbewusst nutzt, ist es Intuition», sagt er. Intuition ist vor allem eine Frage der Praxis. Intuition entsteht, wenn das Unbewusste erkennt, welche Faustregel in welcher Situation funktioniert. «Wer sich intensiv und über längere Zeit mit einer Sache auseinandersetzt, entwickelt ein Gespür für das Richtige», ohne jeden Schritt bewusst analysieren zu müssen. So lernt das Unbewusste, welche Regel in welcher Lage trägt und welche nicht. Die Intuition von «Alten» Profis unterscheidet sich vom Bauchgefühl der Jungen durch Erfahrung

Die Neigung, neue Werkzeuge zuerst als Bedrohung zu fürchten
Verdichtetes Wissen, geformt durch Übung, Irrtum und Einsicht. Menschliche Intelligenz ist nicht allein angeboren und begrenzt, sondern kann sich bei jedem Menschen weiterentwickeln. Der Philosoph Kwame Anthony Appiah (72) nennt dies den «Übergang von Handfertigkeit zu Aufsicht». Künstliche Intelligenz verschiebt den Begriff von Expertise: weg vom Erzeugen, hin zum Bewerten. Die menschliche Urteilskraft wird damit zur Schlüsselkompetenz. Technologische Entwicklung bedeutet seit je Auslagerung menschlicher Intelligenz: vom Gedächtnis auf Schriftzeichen, vom Wissen auf Maschinen, von Erfahrung auf Algorithmen. «Die entscheidende Frage lautet nicht, ob unsere Fähigkeiten schwinden», sagt Gerd Gigerenzer, «sondern wie wir unsere Urteilskraft bewahren und die neuen Werkzeuge nutzen, ohne uns von deren Besitzern benutzen zu lassen.» Neugierige, aufgeschlossene und kompetente «Alte» in gemischten Teams garantieren eine Fortschreibung der Entwicklung neuer Werkzeuge ohne Furcht vor deren Bedrohung.

KI ist gefährlich – aber nicht aus dem Grund weshalb wir denken
Statt uns von künftigen existenziellen Risiken durch die KI ablenken zu lassen, sollten wir nach Ansicht der KI-Ethikforscherin Sasha Luccioni (36) einige negative Auswirkungen der Technologie nicht aus den Augen verlieren. Wie zum Beispiel die Kohlenstoffemissionen der Serverfarmen, die Verletzung von Urheberrechten und die Verbreitung verzerrter Informationen. In ihrer Präsentation auf TEDWomen 2023 • October 2023 (10:18) plädiert die Forscherin für praktische Lösungen zur Regulierung einer KI-geprägten, inklusiven und transparent gestalteten Zukunft. Denn die Wolke, auf der KI-Modelle leben, besteht aus Metall und Plastik und wird mit riesigen Mengen Energie betrieben. Allein das Trainieren eines KI-Sprachmodells wie ChatGPT verbraucht so viel Energie wie 30 Haushalte in einem ganzen Jahr und setzt 25 Tonnen Kohlendioxid frei, wie eine Autofahrt fünfmal um den Planeten.

Die Befürchtungen vor Voreingenommenheit
Grosse Sprachmodelle sind in den letzten fünf Jahren um das 2000-Fache gewachsen und damit auch die Kosten für die Umwelt. Neben Nachhaltigkeitsthemen stehen natürlich auch Urheberrechte im Fokus. So können etwa Künstler und Autoren nur schwer nachweisen, dass ihr Lebenswerk ohne ihre Zustimmung für das Trainieren von KI-Modellen verwendet wurden. Letztlich ist da noch die Voreingenommenheit. KI-Modelle kodieren Muster und Überzeugungen, die Stereotype, Rassismus und Sexismus darstellen können. Durch ihren Einsatz werden KI-Modelle mit dem Gefüge unserer Gesellschaften verwoben; unsere Handys, Social-Media-Feeds, sogar unsere Justizsysteme und Volkswirtschaften enthalten KI. Diese muss deshalb transparent und zugänglich bleiben, damit wir wissen wie sie funktioniert und wann nicht. Wir kompetenten «Alten» müssen zusammen im Team mit den technologisch gewieften Jungen den Weg in unsere Zukunft gemeinsam bauen und dabei entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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