«Y2K-Bug», «Millennium-Bug» oder «Jahr-2000-Problem»
Vor 25 Jahren waren sich Wissenschaft und Wirtschaft uneins, was die Konsequenzen beim Jahreswechsel 2000 in einer digital vernetzten Welt auf Finanztransaktionen, kritische Infrastruktur, Flugverkehr, Navigations- oder militärische Systeme wären. Die Befürchtung entstand, weil viele ältere Computersysteme und Programme Jahreszahlen nur zweistellig speicherten, beispielsweise «99» für 1999 um Speicherplatz zu sparen. Man befürchtete, dass beim Übergang von «99» auf «00» die Systeme das Jahr als 1900 statt 2000 interpretieren würden – mit potenziell katastrophalen Folgen. Im Vorfeld wurden weltweit, zur Freude der Computerindustrie, enorme Ressourcen mobilisiert. Milliarden wurden investiert, um Software zu überprüfen und anzupassen. Als dann tatsächlich Mitternacht am 1. Januar 2000 kam, passierte… relativ wenig. Es gab nur vereinzelte kleinere Probleme, aber keine grossen Katastrophen. Bis heute wird debattiert, ob die massiven Vorbereitungen die Katastrophe verhindert haben oder ob die Gefahr von Anfang an übertrieben war. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem – viele kritische Systeme wurden tatsächlich rechtzeitig gepatcht, während die apokalyptischen Szenarien wohl etwas überzeichnet waren. Diese Erfahrung lehrt uns «Alte», einen differenzierten Umgang mit den gegenwärtigen Ängsten um die negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz KI auf unsere Zukunft.
Die grössten globalen Risiken für 2026
«kompetenz60plus» ist nicht bekannt für politische Diskussionen. Mit Blick auf die aktuellen weltweiten Geschehnisse und vor dem Hintergrund der technologischen Veränderungen durch die künstliche Intelligenz KI, ist jedoch eine weitergehende Betrachtung der gegenwärtigen Situation angebracht. Das Assessment der US-Regierung nach einem Jahr unter Präsident Trump erstaunt vor allem wegen der Geschwindigkeit und der weltweiten Wirkung von Beschlüssen und Aktionen. Entgegen den meist oberflächlichen oder reisserischen Analysen westlicher Medien, steht meiner Meinung nach hinter den Veränderungen jedoch ein grösserer Plan. Im bemerkenswerten Interview von Helen Walters (50+), Leiterin Medien und Kuratorin der Plattform TED vom 5. Januar 2026 (50:42), mit dem Politikwissenschafter Ian Bremmer (56), Gründer der Eurasia Group, spricht dieser von einem Wendepunkt in der Geschichte. Er beleuchtet die grössten Risiken, welche die Welt im 2026 erwarten, analysiert die US-Militäroperation gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und erklärt, warum US-Präsident Donald Trumps Übernahme der «Donroe-Doktrin» das unsicherste geopolitische Umfeld seit Jahrzehnten herbeiführt. (Erklärung: Die Monroe-Doktrin ist eine US-amerikanische Aussenpolitik, die 1823 von Präsident James Monroe verkündet wurde und die westliche Hemisphäre als eigenständigen Einflussbereich definierte, indem sie europäische Kolonialisierung und Einmischung in die Angelegenheiten Amerikas ablehnte und im Gegenzug Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten versprach; ihre Kernprinzipien sind getrennte politische Sphären (Europa vs. Amerika), Nicht-Kolonialisierung und Nichteinmischung).
Künstliche Intelligenz KI als Chance
Bremmers eindringliche Prognosen zu den Entwicklungen in Europa, Russland und China schaffen einen unverzichtbaren Einblick in eine instabile Weltordnung. Dass dieses Geschehen mit dem rasanten technologischen Fortschritt der KI zusammenfällt ist wohl kein Zufall und muss folglich gemeinsam betrachtet werden. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. Zur Beurteilung dieser Verschiebungen müssen wir uns von der bekannten Ordnung lösen und uns auf die Kreativitätsebene begeben. KI wird das noch verstärken, in einem Ausmass das wir uns wahrscheinlich noch kaum vorstellen können. KI eröffnet theoretisch unendlich viele Möglichkeiten, unsere Kreativität auszuleben. Menschen werden anfangen, aus Eigeninteresse in beispielloser Weise zusammenzuarbeiten. Die Erfahrung, Neugier und Reife von uns «Alten» als Sparringspartner im Team, zusammen mit dem technischen Wissen der Jungen, ist deshalb entscheidend, um allenfalls korrigierend einzugreifen.
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