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#417 – «Alte» werden Zeugen des Stillstands

Das Mängelwesen Mensch
Im anderen Blick mit dem Titel «Trumps irrationaler Zollkrieg: Unvernunft ist die ständige Begleiterin der Politik», NZZ vom 11.April 2025, bezieht sich Eric Gujer auf die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman (1912–1989) und ihr Buch «Die Torheit der Regierenden», wonach Unvernunft kein Privileg von Populisten sei. Warum bleiben Vernunft und Verstand so häufig wirkungslos? Als Gründe nennt Tuchman Selbstüberhebung, Unfähigkeit, Dekadenz oder Starrsinn, kurz: das Mängelwesen Mensch. Gegen Torheit ist niemand gefeit. Nur weil wir künstliche Intelligenz KI besitzen, ist die natürliche Intelligenz nicht gewachsen. Politische Torheit basiert nur selten auf schlichter Dummheit oder Borniertheit. Sie ist die Folge eines Kalküls, das Chancen und Risiken abwägt, auch wenn es am Ende irrt. Politik entsteht im Wechselspiel zwischen den Emotionen der Regierenden und denen der Regierten. Da verspricht die Unvernunft nicht selten mehr Ertrag als die Vernunft. Die menschliche Gabe, die Tatsachen den Meinungen zu unterwerfen, ist nahezu unerschöpflich.

Strafen ersticken Innovationen im Keim
Laut einer Agenturmeldung in der NZZ vom 23. April 2025 hat die EU-Kommission gegen die US-Techfirmen Apple und Meta Strafen in Höhe von 500 Millionen und 200 Millionen Euro verhängt. Die Firmen haben gemäss der Behörde europäisches Digitalrecht verletzt. Nach Ansicht von Apple ist das Vorgehen der Kommission unfair. Man werde gezwungen, Technologie kostenlos abzugeben. «Wir haben Hunderttausende von Entwicklungsstunden investiert und Dutzende von Änderungen vorgenommen, um diesem Gesetz zu entsprechen», teilte Apple mit. Trotz zahlloser Treffen verschiebe die Kommission immer wieder Zielvorgaben. Apple hindere laut EU-Kommission App-Entwickler daran, Verbrauchern Angebote ausserhalb des App-Stores zugänglich zu machen. Nutzer könnten nicht in vollem Umfang von alternativen und günstigeren Angeboten profitieren. Die EU-Kommission hat in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Strafen gegen US-Techunternehmen verhängt, die sich nicht an das Gesetz über digitale Märkte DMA halten. Der EU-Rechtstext sieht die Möglichkeit vor, Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes zu verhängen. Bei Wiederholungstätern kann dieser Satz auf 20 Prozent steigen.

Zeremonie zur Beisetzung von Papst Franziskus am 26. April 2025, Petersplatz in Rom

Wo Potenziale einen Kurswechsel bedingen
Ashwin Lalendran, amerikanischer Investor bei Moxxie Ventures und Young Leader Alumnus American Swiss Foundation und Sophie Lamparter, schweizerisch-amerikanische Investorin bei DART Ventures, erklärten in ihrem Gastkommentar, NZZ vom 15. April 2025, weshalb die Schweiz bisher kaum marktführende KI-Unternehmen hervorgebracht hat. Es fehle an Risikokapital – also die Investitionen, die notwendig sind, um neue Technologien zu skalieren. Künstliche Intelligenz verändert weltweit ganze Industrien und die Schweiz wäre in einer hervorragenden Position, um von diesem Wandel zu profitieren, verfügt sie doch über erstklassige Hochschulen, hochqualifizierte Arbeitskräfte und hat bereits einige der besten KI-Talente weltweit. Sieben der zehn weltweit führenden KI-Unternehmen, von Open AI und Google Deepmind bis hin zu Nvidia, betreiben Standorte in Zürich. Auch in der globalen KI-Forschung und -Entwicklung nimmt die Schweiz mit Rang vier weltweit einen Spitzenplatz ein. Doch im Denken klafft eine Lücke: Im Silicon Valley werden Unternehmen mit der Vision gegründet, Milliarden-Bewertungen zu erreichen. Schweizer Gründer denken kleiner und konzentrieren sich meist auf solide, gut durchdachte Geschäftsmodelle mit Exit-Potenzial im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Dabei bräuchte es auch ein Überdenken unserer Rechtsform: Milliardenschwere Exits mit Schweizer AGs sind bis anhin eine Seltenheit. Ohne Alternativen bleibt die US-Corp als pragmatische Lösung für alle, die global skalieren wollen. Wer will, dass das nächste Open AI oder Deepseek aus der Schweiz stammt, muss das Tempo, den Ehrgeiz und die Kapitalmärkte von Silicon Valley mit der heimischen Exzellenz in Ingenieurskunst und tiefem technischem Wissen kombinieren. Das Potenzial ist da – doch es braucht einen Kurswechsel, um es zu realisieren.

Wir Zögerer und Skeptiker
Der grösste Unterschied zwischen den USA und Europa ist die Denkweise. Das visionäre Denken eines Silicon Valley fehlt uns Europäern. Auch wir «Alten» sind skeptisch und eher zurückhaltend, trotz sicht- und spürbaren Vorteilen. Meine Lieblings-KI «Claude» von Anthropic meint dazu: Die europäische Regulierung von künstlicher Intelligenz, insbesondere durch den EU AI Act, bringt einige potenzielle Nachteile für die KI-Entwicklung mit sich. Strenge Vorschriften verlangsamen Entwicklungsprozesse und behindern Innovationen, da die Unternehmen mehr finanzielle und personelle Ressourcen für Regelkonformität aufwenden müssen. Europäische Unternehmen fallen im globalen Wettbewerb zurück, besonders gegenüber Regionen mit weniger strengen Regulierungen wie den USA oder China. Besonders für Startups und KMUs ist das sehr belastend. Teils vage oder technisch nicht präzise definierte Vorschriften führen zu Rechtsunsicherheit und begünstigen risikoscheue Entscheidungen, die den Markteintritt neuer KI-Lösungen verzögern. Talentierte Forschende und Entwickler entscheiden sich für weniger regulierte Regionen, wo sie mehr Freiheit für ihre Arbeit haben. Unter dem Strich führt all dies zu weniger Risikokapital für europäische KI-Unternehmen, schrieben Lalendran und Lamparter.

Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
Gemäss dem CEO-Leitfaden für erfolgreiches Handeln trotz Unsicherheit der BCG Boston Consulting Group vom 11. März 2025 suchen Unternehmen nach mehr Effizienz und optimierten Abläufen – ohne dabei auf Wettbewerbsvorteile, Innovation und Wachstum zu verzichten. Auf dem Weg in die Zukunft müssen Führungskräfte die Konfliktlinien umschiffen und eine planbarere Basis finden. Sie müssen flexibel bleiben und bereit sein, sich an veränderte Markt- oder politische Bedingungen anzupassen und neu auszurichten. Führungskräfte müssen mit gutem Beispiel vorangehen und kostenbewusstes Verhalten vorleben. Neben einem Bürokratieabbau müssen sie Mitarbeitende befähigen, mehr Verantwortung und wichtigere Aufgaben zu übernehmen. Dass Unternehmen oft das vorhandene Potenzial der Mitarbeitenden nicht voll ausnutzen, betrifft auch viele von uns «Alten». Da KI, Innovation und die Nutzung neuer Marktchancen immer wichtiger werden, sollten Unternehmen Wege finden, ihre Mitarbeitenden optimal zu positionieren und die notwendigen Programme zu entwickeln, um diese Bemühungen zu unterstützen. Dazu muss man Verschwendung reduzieren, vorhandene Kompetenzen aktivieren, weniger wichtige Arbeiten eliminieren und unnötige Führungsebenen oder konkurrierende Aktivitäten überdenken. Automatisieren und digitalisieren soll die vorhandenen Talente freisetzen für die wichtigsten Aufgaben, die mit den Führungszielen übereinstimmen und konkreten Geschäftswert liefern. Dazu gehören auch die Neugestaltung von Kernfunktionen, die Integration von erfahrenen «Alten» und nicht nur das Automatisieren von Prozessen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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