Babyboomer gehen in Rente, weniger Wachstum
Viele Pensionierungen, weniger Junge: 2035 könnten in der Schweiz laut einer neuen Studie massenweise Vollzeitbeschäftigte fehlen. Die Arbeitgebenden versprechen, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen. An einer weiteren Zuwanderung führt aus ihrer Sicht aber kein Weg vorbei. Dies schreibt Christin Severin in der NZZ vom 7. November 2024. Das Horrorszenario der Schweizer Arbeitgebenden: Viel Arbeit – aber niemand da, der sie erledigen kann. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964) werden pensioniert. Die Generation Z, geboren nach dem Jahr 2000, rückt in lediglich reduzierter Stärke nach. Die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte, um Wohlstand erschaffen zu können. Dank der Personenfreizügigkeit können Stellen in der Schweiz weitaus besser besetzt werden, als dies bei geschlossenen Grenzen der Fall wäre. Doch die damit verbundene Zuwanderung beschäftigt und beunruhigt die Schweizer Bevölkerung.
Demografischer Gegenwind statt demografische Dividende
Unter dem Titel: Europas Bevölkerung schrumpft und altert: «Zuwanderung kann das demografische Problem nicht lösen, höchstens etwas kompensieren» schrieb Michael Ferber, in der NZZ vom 12. November 2024, wie gemäss einer Studie der Bank Morgan Stanley, sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren klar negativ entwicklen dürfte. Eine gut ausgebildete Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit genügend Arbeitsplätzen, bringt für ein Land wirtschaftliche Vorteile. Man spricht dabei von einer «demografischen Dividende». Dagegen sieht es bei der demografischen Entwicklung nicht gut aus. Die demografische Dividende wird sich dabei in einen demografischen Gegenwind umkehren. Um den wirtschaftlichen Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu begegnen, empfiehlt Morgan Stanley, das gesetzliche Rentenalter anzuheben und dadurch die Zahl der Erwerbstätigen zu erhöhen. Auch eine verstärkte Zuwanderung mildert die negativen Folgen des demografischen Wandels. Zu berücksichtigen ist allerdings das Ausbildungsniveau für Wirtschaftssektoren, die auf Fachkräfte angewiesen sind. Dazu lohnt sich beim Umgang mit der demografischen Entwicklung ein Blick nach Japan. Dort ist die ältere Bevölkerung sehr gut in den Arbeitsmarkt integriert, und viele Menschen arbeiteten bis ins hohe Alter. Auch bei der Automatisierung sei Japan Europa weit voraus.
Überalterung, Automatisierung, Neuausrichtung
Anstatt über den Fachkräftemangel zu jammern, wäre ein Paradigmenwechsel angebracht. Nicht jede Stelle muss gleichwertig ersetzt werden. Verbesserte Attraktivität der Arbeit für Frauen, Weiterbeschäftigung von «Alten» und die Möglichkeit zur Produktivitätssteigerung durch Digitalisierung sind zu prüfen. In vielen KMUs muss die Automatisierung von Abläufen, auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz KI, priorisiert werden. Mit Blick auf den Markt wäre nicht selten auch eine Neuausrichtung der Organisation angebracht. Obwohl sich viele Unternehmen mit KI befassen: Sie geben Investitionen grünes Licht, stellen Talente ein und starten Pilotprojekte, bleibt das Resultat der digitalen Transformation durchzogen. Gemäss Studien der Boston Consulting Group BCG vom November 2024, sind nur 22% der KI-Anwender über den Beweis (proof of concept) für deren Einsatz hinausgekommen und haben tatsächlich Mehrwert geschaffen. Auch die Realität einer sogenannten «Zero-Gap-Mentalität», bei der die Betriebe lieber perfekte Kandidat:innen aus dem Ausland einstellen, anstatt bei 90-Prozent-Kandidat:innen aus der Schweiz die fehlenden Fähigkeiten anzutrainieren, steht einer besseren Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials entgegen.
Schule und Lehre sind gefordert
Der Gedanke, die Bildung den veränderten Bedingungen einer digitalisierten Gesellschaft anzupassen und Schwerpunkte entsprechend zu setzen, scheitert oft an den starren Lehrplänen und mangelndem Interesse der Politik. Während jedes Jahr weltweit Milliarden in die Bildungsentwicklung fliessen, haben die meisten Schüler:innen immer noch Probleme mit grundlegenden Lernkonzepten, sagt Karthik Muralidharan (49), indischer Ökonom und Professor an der University of California, San Diego, im TEDtalk vom April 2024. Er beschreibt, wie eine intelligentere Ressourcenverteilung und evidenzbasierte Interventionen, wie etwa Lernsoftware, die dynamisch auf die Schüler:innen reagiert und auf dem für sie richtigen Niveau unterrichtet, die Bildung weltweit verbessern können – nicht durch mehr, sondern durch intelligentere Ausgaben. In den letzten zwei Jahrzehnten haben eine explosionsartige Zunahme der Verfügbarkeit von Daten, Rechenleistung und besseren Forschungsmethoden dabei geholfen, grosse Mengen von Interventionen zu identifizieren. Diese werden jedoch zu wenig umgesetzt und sind mit ein Grund, warum Standardmassnahmen wie die Verbesserung der Schulinfrastruktur, die Erhöhung der Gehälter für Lehrer:innen, die Bereitstellung kostenloser Lehrbücher oder sogar kostenloser Laptops oft keine grosse Wirkung entfalten. Denn sie befassen sich nicht mit der bindenden Einschränkung des Lernens, nämlich der Diskrepanz zwischen Unterricht und Verständnis.
«Alte» als Mentoren
Das Schweizer Modell der Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ oder die zweijährige berufliche Grundbildung mit dem eidgenössischen Berufsattest EBA, kommt für Immigranten aus rechtlichen Gründen scheinbar nicht in Frage. Lieber überlässt man diese Leute ihrem Schicksal und verbaut ihnen damit eine (Lebens-) Perspektive. Für uns «Alte» ergäben sich durchaus Möglichkeiten, diese jungen Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Als Mentoren oder Sparringspartner können wir ihnen Kompetenzen vermitteln, statt Abschlüsse und damit ihr Selbstwertgefühl fördern.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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