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#364 – KI ohne Panik, mit erfahrenen «Alten»

Einsatzgebiete für künstliche Intelligenz
Vor nicht allzu langer Zeit konnten nur KI-Experten, Datenwissenschafter und Ingenieure für maschinelles Lernen KI implementieren. Nun ist GenKI, generative künstliche Intelligenz, bereits für alle Mitarbeitenden verfügbar, die damit experimentieren möchten. Der Geist ist aus der Flasche. Wenn 2023 das Jahr war, in dem die KI demokratisiert wurde, ist 2024 das Jahr, in dem die Magie von GenKI für kommerzielle Aktivitäten umgesetzt wird. Jessica Apotheker, Sylvain Duranton, Vladimir Lukic, Nicolas de Bellefonds, Sesh Iyer, Olivier Bouffault, und Romain de Laubier sind die Verfasser des Beitrags «From Potential to Profit with GenAI», BCG AI Radar 12. Januar 2024 der Boston Consulting Group. Im Interview mit Thierry Garnier, CEO von Kingfisher, erläutert dieser, wie sich sein Unternehmen an GenKI angepasst hat: «Zu Beginn haben wir den gesamten Zugriff auf ChatGPT und ähnliche sprachbasierte Modelle eingeschränkt und erhielten viele Beschwerden. Doch man muss den Menschen vertrauen und klare Prinzipien vorleben. Darauf haben wir funktionsübergreifend, einschliesslich HR und IT, zusammengearbeitet und nach und nach Zugriff gewährt, Regeln festgelegt und obligatorische Schulungen zu Best Practices und Gefahren angeboten – und diese Prinzipien haben uns den Weg nach vorne ermöglicht.» Für ihn gibt es viele positive, wachstums- und margenorientierte Projekte, die nicht nur Produktivitätsprojekte sind. So trägt bei Kingfisher KI und GenKI für Werbeoptimierung, Preisnachlässe, schriftliche Medien, Personalisierung und Preisgestaltung, insgesamt zur Margenverbesserung bei.

Image by Alan Warburton / © BBC / Better Images of AI / Virtual Human / CC-BY 4.0

Die Zukunft eines verantwortungsvollen Umgangs mit KI
Die Autoren im BCG-Artikel empfehlen deshalb einige Strategien zur Wertschöpfung mittels KI. Den Einsatz von GenKI zur Unterstützung der Mitarbeitenden bei alltäglichen Aufgaben. Um die Effizienz und Effektivität zu steigern, sollten kritische Funktionen neu gestaltet werden. Dazu gehören auch neue Rollenbilder und die Evaluierung von Pilotprojekten, um eine zuverlässige Skalierung zu ermöglichen. Oder die Erfindung von neuen GenKI-Geschäftsmodellen, um sich einen langfristigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Beim Entwickeln eines stark kundenorientierten Ansatzes helfen Daten und geistiges Eigentum von Erstanbietern, um Interaktionen zu schaffen, die Kunden nirgendwo anders finden. Gewinner bauen dazu strategische Beziehungen auf. KI-Führungskräfte wissen, dass sich die Technologie und die Lösungen, die sie ermöglicht, schnell weiterentwickeln. Nur 3% der Führungskräfte betrachten bereits bestehende Partnerschaften als Priorität bei der Suche nach KI-Lösungen. Wichtig ist der proaktive Aufbau eines Partnerschaftsökosystems mit mehreren Unternehmen, darunter Softwareanbieter und GenKI-Startups, um Zugang zu Spitzentechnologie zu erhalten und kurzfristig Wert zu schaffen. Ganz wichtig ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit künstlicher Intelligenz. Da kann ich mir den Einbezug von uns «Alten» im Team mit den «jungen Wilden» ganz gut vorstellen. Dank unserer Erfahrung agieren wir dabei als Mentoren oder Sparringspartner. Mit unserer Seniorität erfüllen wir kompetent auch die Funktion des «sozialen Gewissens».

«Deepfakes», synthetische Medien und generative KI
Dass die Technologie auch ihre Schattenseiten hat, bestreitet niemand. Es wird immer schwieriger, Echtes von Fälschungen zu unterscheiden, sagt Sam Gregory im Video auf TED Democracy • vom November 2023 (12:04). Die generative künstliche Intelligenz (genKI), generiert aus Menschen neue Menschenfälschungen. Dazu braucht es nur wenige Sekunden einer Stimme und wenige Bilder eines Gesichts, um uns selbst zu täuschen. Und der Realismus nimmt immer weiter zu, ermöglicht immer tiefere Fälschungen (Deepfakes). Sam Gregory beschäftigt sich seit 2017 mit Deepfakes. Ermöglicht durch Fortschritte in der generativen KI nähern wir uns jetzt auch einer Welt wo es im Grossen und Ganzen einfacher ist, eine komplett falsche Realität zu verwirklichen, ohne die Sicherheit diese auch als gefälscht abzutun. Trügerische und bösartige audiovisuelle KI wird wahrscheinlich zur Verstärkung unserer gesellschaftlichen Probleme beitragen, durch Wahlbeeinflussung oder aufzeigen von Menschenrechtsverstössen aus Kriegsgebieten. Synthetische Avatare geben sich als Nachrichtensprecher aus und untergraben unser Vertrauen in audiovisuelle Inhalte. Die Zukunft ist voller tiefgreifender Herausforderungen, sowohl beim Schutz des Echten als auch beim Aufdecken von Fälschungen. Auch hier sehe ich ein Engagement für uns «Alte», denn ohne eine Pipeline an Verantwortung geht das alles nicht. Die Organisation WITNESS hilft Menschen, Video und Technologie zum Schutz und zur Verteidigung der Menschenrechte zu nutzen. Obwohl selbst Experten wahr und falsch nicht schnell und schlüssig trennen können, schärft WITNESS unsere Fähigkeiten, die Wahrheit zu erkennen. Wir werden das irgendwie durchstehen, denn Panik wird uns dabei sicher nichts nützen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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