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#383 – Digitale Agenten: «Alte» partizipieren

Falsch verstandene Entwicklung
Seit bald einem halben Jahrhundert nutzen wir Computer täglich. Wir haben uns längst an die Vorteile von elektronischen Banküberweisungen oder die online Bestellungen von Kaffeekapseln gewöhnt. Junge Leute reichten letzte Woche eine «Volksinitiative für Recht auf Leben ohne Handy» ein. Ihr Anliegen ist es, ein Grundrecht auf digitale Integrität gesetzlich zu verankern. Im Fokus ist der immer breiteren Einsatz von künstlicher Intelligenz, den sie als Gefahr sehen: In der Gesichtserkennung, bei Bewerbungen oder beim Kauf eines Bahnbilletts. Auch Menschen ohne Smartphone oder digitalem Profil, sollen zukünftig analog auf Dienstleistungen zugreifen und mit Bargeld bezahlen können. Die Initianten haben vor allem uns «Alte» im Blickfeld, die es vor technologischen Entwicklungen zu schützen gilt. Gemäss der Initiative soll man weiterhin ein Recht auf sein Offline-Leben haben, ohne Daten zu hinterlassen. Gleichzeitig sollten allgemeine Datensparsamkeit und «Privacy by Design» zum Standard werden, was ebenfalls das Missbrauchsrisiko senken würde. Schöne heile Welt. Vergessen geht dabei, dass speziell uns «Alten» dank erweiterter digitalen Anwendungen, neue Möglichkeiten der Partizipation erschlossen werden.

Computer sollen unser Leben vereinfachen
In seinem Papier vom November 2023, über die Zukunft von digitalen Agenten, schrieb Bill Gates (68), Mitbegründer von Microsoft im Jahr 1975, wie die künstliche Intelligenz KI die Art und Weise, wie wir Computer nutzen, völlig verändern und die Softwareindustrie umkrempeln wird. Noch sind wir nicht soweit. Mir Persönlich ist dazu in letzter Zeit aufgefallen, wie neue Webseiten und Apps für uns Nutzer immer umständlicher geworden sind, was ich auf ein Missverständnis bezüglich neuer Datenschutzbestimmungen zurückführe. An der Ladenkasse muss ich zuerst die Datenschutzerklärung bestätigen, dann die Werbung wegklicken, das Update durchführen und mich dabei an das Passwort erinnern, bevor mir die Bonuspunkte gutgeschrieben werden, während die Schlange hinter mir immer ungeduldiger wird. Da wäre Bargeld, ohne Datensammlung, wirklich schneller. Ich denke, dass hier zu oft schlecht informierte Programmierende am Werk sind. Erfahrene «Alte» als Sparringspartner mit gesundem Menschenverstand im Team wären dafür eine Lösung. Als Lichtblick gab Apple Anfang Sommer die Einführung einer neuen Funktion bekannt, die sich über praktisch die gesamte Produktlinie erstrecken wird, genannt «Apple Intelligence» auf KI-Basis, die personalisierte KI-Dienste bei gleichzeitiger Sicherheit vertraulicher Daten verspricht.

Digitale Agenten erkennen unser Verhalten
Bill Gates «Agents», die digitalen Agenten können bei all unseren Aktivitäten helfen, mit unserer Erlaubnis unsere Online-Interaktionen und realen Standorte verfolgen. Sie entwickeln ein umfassendes Verständnis für die Menschen, Orte und Aktivitäten, an denen wir teilnehmen. Sie erfassen unsere persönlichen und beruflichen Beziehungen, Hobbys, Vorlieben und unsere Termine. Im Gegensatz zu den bisher bekannten «Bots» sind Agenten intelligenter. Sie verhalten sich proaktiv und können Vorschläge machen, bevor wir danach fragen. Sie erledigen Aufgaben anwendungsübergreifend. Sie werden mit der Zeit besser, weil sie sich an unsere Aktivitäten erinnern, die Absichten und Muster in unserem Verhalten erkennen. Auf der Grundlage dieser Informationen bieten sie uns das an, was wir ihrer Meinung nach benötigen, während wir immer die endgültige Entscheidung treffen.

Produktivität mit persönlichen Assistenten
In diesem Bereich gibt es bereits viel Konkurrenz. Microsoft integriert seinen Copiloten in Word, Excel, Outlook und andere Dienste. Google macht mit dem Assistenten Bard und seinen Produktivitätstools ähnliche Dinge. Diese Copiloten können viel – zum Beispiel ein schriftliches Dokument in eine Präsentation umwandeln, Fragen zu einer Tabelle in natürlicher Sprache beantworten und E-Mail-Themen zusammenfassen und dabei die Sichtweise jeder Person darstellen. ABER: Agenten können noch mehr und sind wie eine persönliche Assistenz, die uns bei verschiedenen Aufgaben hilft und diese, wenn wir möchten, selbstständig erledigt. Wenn wir beispielsweise eine Geschäftsidee haben, hilft uns der Agent einen Geschäftsplan zu schreiben, eine Präsentation dafür zu erstellen und sogar Bilder davon zu generieren, wie das Produkt aussehen könnte. Unternehmen können ihren Mitarbeitenden Agenten zur Verfügung stellen, welche sie direkt konsultieren können und die an jeder Sitzung teilnehmen, um Fragen zu beantworten. Um eine neue App oder einen neuen Dienst zu erstellen, teilen wir unserem Agenten einfach mit, was wir möchten und verbessern darauf seine Vorschläge.

Ein Quantencomputer des amerikanischen Konzerns IBM. Der Prozessor mit den Quantenbits befindet sich am unteren Ende der Kühlapparatur. Bild: PD, NZZ

Die technischen Herausforderungen
Noch hat niemand herausgefunden, wie die Datenstruktur für einen Agenten aussehen wird. Um persönliche Agenten zu erstellen, benötigen wir eine neue Art von Datenbank, die alle Nuancen unserer Interessen und Beziehungen erfassen und diese Informationen schnell abrufen kann, während unsere Privatsphäre gewahrt bleibt. Bezogen auf die notwendige Rechenleistung sind Quantenprozessoren, welche die Gesetze von Quantenmechanik nutzen, unserer herkömmlichen Hardware überlegen. Aufgrund ihrer leistungsfähigeren Rechenkapazität können Quantencomputer nun Aufgaben bewältigen, an denen klassische Computer und Supercomputer mit ihren Prozessoren bisher gescheitert sind. Im Interview mit Michael Rasch, Frankfurt, NZZ vom 21. August 2024, unter dem Titel «Quantencomputer können bald alle derzeitigen Verfahren zur Datenverschlüsselung knacken», äussert sich der deutsche Internet-Pionier Harald A. Summa (71) zum Thema: Quantencomputer stellen wegen ihrer Leistungsfähigkeit gerade auf dem Gebiet der Sicherheit ein grosses Risiko dar. Cyberkriminelle und Schurkenstaaten können zuvor verschlüsselte Informationen von Regierungsbehörden, Finanzinstitutionen, anderen Unternehmen und Betreibern kritischer Infrastrukturen wieder entschlüsseln. Die Entwicklung für eine standardisierte Post-Quantum-Verschlüsselung, die gegen Quantenangriffe gewappnet ist, hat deshalb schon begonnen. Man kann auf dem Smartphone mit einem neuen Chip solche Verschlüsselungen einführen. Apple hat seinen Kommunikationsdienst «iMessage» bereits entsprechend umgestellt. Es handelt sich dabei um einen Paradigmenwechsel. Heutzutage benötigen Computer immer mehr Energie und Rechenleistung. Harald A. Summa glaubt zwar nicht, dass man alle herkömmlichen Computer durch Quantencomputer ersetzen wird, doch Quantencomputer könnten ein Zusatz sein, quasi eine Art Turbolader, den man mit herkömmlichen digitalen Rechnern verbindet, um mehr Leistung mit weniger Energieeinsatz herauszuholen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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